Kalkalpen – Nationalpark und Waldschutzgebiet

Kalkalpen – Nationalpark und Waldschutzgebiet Hätten Sie es gewusst? Die Kalkalpen sind nicht nur ein Teil der österreichischen Alpen, sondern wurde im Jahr 1997 zum Nationalpark erhoben. Dieses Gebiet umfasst mehr als 20.000 Hektar. Damit ist es das größte Waldschutzgebiet Österreichs. Seit der Gründung 1997 sind noch weitere Gebiete hinzugekommen, da die Verantwortlichen nicht ruhen wollten und immer mehr Menschen und Landbesitzer von ihrem Vorhaben begeistern konnten. Im Jahr 2017 erhielt dieses Gebiet eine Ehrung der besonderen Art: Die Buchenwälder in den Kalkalpen wurden zusammen mit den Buchenwäldern des Wildgebietes Dürrenstein zum UNESCO Weltnaturerbe erklärt. Die Kalkalpen liegen in Oberösterreich. Das Reichraminger Hintergebirge sowie die Sensengebirge werden vom Nationalpark umfasst. Unter anderem befinden sich hier mehrere der längsten und unversehrten Bachsysteme, die in den Ostalpen heute noch zu finden sind.

Was macht die Kalkalpen so besonders?

Es ist nicht nur die Ursprünglichkeit der Flora, die die Kalkalpen so besonders macht. Vielmehr sind es auch die Wildtierarten, die als besonders schützenswert gelten. Nicht wenige sind es, die auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Arten stehen. Wer diese Tiere schützen möchte, muss im gleichen Schritt selbstverständlich auch ihren natürlichen Lebensraum schützen. Logisch, nicht wahr? Zu diesen Tieren gehören unter anderem die Luchse, der Rothirsch, die Braunbären, der Alpenbock (aus dem Reich der Käfer) sowie mindestens 19 Vogelarten, unter anderem der Steinadler und der Weißrückenspecht. Insgesamt konnten 927 Pflanzenarten in dieser Region nachgewiesen werden. Diese genaue Angabe ist der Nationalparkkartierung zu verdanken. Viele dieser Pflanzen sind nicht nur in den Kalkalpen eine Seltenheit. Sie sind bereits auf der Roten Liste der schützenswerten Pflanzen erschienen. Insgesamt sind es 59 Arten, die dank des oberöstereichischen Naturschutzgesetzes teilweise oder gar vollkommen geschützt werden können. Unter anderem finden wir hier die Schneerose, den Ostalpen-Enzian, den Frauenschuh, die Clusius-Primel sowie die Türkenbund-Lilie. Sie alle sind auf den kalkhaltigen Boden der Region angewiesen.

Höhen und Tiefen

Wir finden die Kalkalpen auf einer Höhe über dem Meeresspiegel von 385 bis 1.963 Metern. Viele unterschiedliche Lebensräume sind hier zu finden, die scheinbar einzeln dastehen, aber dennoch eng miteinander verzahnt sind. Sie bilden die Basis für die große Artenvielfalt der Flora und der Fauna:
  • Birkenwälder
  • Karstquellen
  • Almen
  • Bergwiesen
  • Höhlen
  • Schluchten
  • Gebirgsbäche

Tourismus?

Sicherlich muss ein Nationalpark auch bereist werden. Nur, wenn man weiß, was man schützt, kann man sich mit Herzblut dafür einsetzen. Allerdings wird der Tourismus in einigen Bereichen nur beschränkt oder gar nicht möglich sein können. Wie soll man etwa die schönen Buchenwälder effektiv schützen können, wenn in der Hauptsaison Abertausende Touristen durch die Wälder wandern? Richtig, die Region ist darauf angewiesen, dass sich die Besucher an die ausgewiesenen Wege, an die Regeln des Nationalparks halten. Nur so kann diese so wunderbare Region zwar für Besucher geöffnet bleiben, aber gleichzeitig geschützt werden. Denn dies ist das Hauptanliegen des Nationalparks. Unter anderem aus diesen Gründen wurden verschiedene Angebote ausgearbeitet, sodass der Besucher sich kontrolliert in der Region bewegen kann und zugleich auch noch viel Informatives mitnehmen kann.
  • Book a Ranger: Dies ist sowohl individuell als auch in der Gruppe möglich. Der Ranger führt die Gruppe, sodass man Tiere beobachten, Pflanzen kennenlernen, die Wälder, ja auch die Buchenwälder, erkunden kann. Die Aufgabe des Rangers ist dabei ganz einfach. Sie sollen die Aufmerksamkeit des Besuchers schüren, damit auch er die wunderschönen Schmetterlinge, die frischen Tierspuren oder auch die seltenen Pflanzen entdecken und bestaunen kann. Zudem kennen die Ranger viele Geschichten der Region, über die Tiere und die Pflanzen, aber auch die Naturgeister, die über dieses Gebiet herrschen.
  • Besucherzentren: Drei an der Zahl gibt es, Ennstal, Panoramaturm Wurbauerkogel und Infostelle Windischgarten.
  • Wandern: Viele Wander- und Themenwanderwege wurden im gesamten Gebiet installiert, damit der Interessierte, der Wanderer, der Freund der Region vieles zu sehen bekommen kann, ohne die eigentliche Wildnis zu stören. Sie finden hier Wanderwege für die unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade, sodass jeder zu seinem Recht kommt.
  • Radwandern: Auch für die Radfahrer ist gesorgt. Sie verfügen nicht über ein vollständig eigenständiges Netz an Wegen. Aber sie werden auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen, denn auch hier sind unterschiedliche Schwierigkeitsgrade möglich.
  • Almen und Hütten in der Region: Natürlich sind bewirtete Hütten immer ein Anziehungspunkt in den Bergen. So ist es nicht verwunderlich, dass Sie garantiert auf die eine oder andere auf Ihren Wanderungen treffen werden. Gerade in der Hauptsaison ist eine rechtzeitige Reservierung allerdings sinnvoll.
  • BIWAK-Plätze: Zwei Biwak-Plätze befinden sich innerhalb des Nationalpark Gebietes. Maximal 2 Nächte kann hier unter freiem Himmel kampiert werden. Es wird explizit darauf aufmerksam gemacht, dass Nächtigen und Zelten nur in den BIWAK-Bereichen gestattet ist.

Achtung – Weidevieh

Es kann immer wieder passieren, dass Sie auf Ihrer Wanderung durch das Gebiet auf eine Weide, eine Alm treffen, die bereits besetzt ist – von Rindern. Grundsätzlich sollte dies kein Problem darstellen, wenn man sich an einige kleine Verhaltensvorschriften hält:
  • Halten Sie stets einen gebührenden Abstand zu den Rindern. Füttern Sie sie nicht. Fassen Sie sie nicht an.
  • Verhalten Sie sich ruhig und vermeiden Sie es, die Tiere zu erschrecken.
  • ACHTUNG – Muttertiere werden ihre Kälber IMMER beschützen. Das kann extrem unangenehm werden. Dies gilt auch für Kontakte mit Hunden. Am besten bleiben diese an der kurzen Leine. Sollte allerdings ein Angriff eines Rindes zu erkennen sein, muss der Hund SOFORT ABGELEINT werden, damit er eigenständig Reißaus nehmen kann.
  • Bleiben Sie stets auf den Wanderwegen, wenn Sie Almen und Weiden überqueren.
  • Sollten die Tiere sich Ihnen nähern, bleiben Sie ruhig und versuchen Sie, sich zu entfernen. Aber drehen Sie ihnen niemals den Rücken zu.
  • Sollten die Tiere den Wanderweg versperren, müssen Sie ihnen ruhig und in gebührendem Abstand auf der Weide ausweichen.
  • Sollten Sie eine Unruhe unter den Tieren bemerken, versuchen Sie, die Alm, die Weide schnellstmöglich, aber dennoch ruhig zu verlassen.
  • Zäune jeglicher Art sind stets zu beachten. Ist ein Tor vorhanden, gehen Sie zügig hindurch, um es fest wieder zu verschließen und die Weide ohne Verzögerung zu überqueren.
  • Erweisen Sie Respekt: Den Menschen, die hier arbeiten, den Tieren, die hier leben und selbstverständlich auch der Natur.
... und noch eines: Im Nationalpark finden nicht nur die Besucher Unterstützung bei den Rangern. Auch die Schulen buchen regelmäßige Aktionen bei den Rangern, um ihre Schüler mit der heimischen Natur bekannt zu machen.